Yo Fler, ein paar Takte über Popkulturindustrie, Ideologie und Rap.

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„Der Kapitalismus schafft es jedes Gift in einen Rausch zu verwandeln.“ – Berthold Brecht

Popkulturindustrie: Aus Popmusik folgte eine Kultur die den selben Prinzipien unterworfen ist, wie die Popmusik selbst. In diesem Sinne könnte man – mit Bezug auf Diederichsens Analysen (-> Über Popmusik) und seiner Erweiterungen des Kulturindustrie-Begriffs der kritischen Theorie – auch von einer Popkulturindustrie sprechen. In dieser Popkulturindustrie ist – wie auch in der Kulturindustrie allgemein – Kultu zunächst einmal nur noch warenförmig zu verstehen (durch die Totalität des Kapitalismus wird allgemein alles zu Ware). Anders als aber Kultur/Musik im Allgemeinen (oder auch populäre Kultur/Musik im Besonderen) ist Pop vielschichtiger. Hier wird nicht einfach ein Kulturgut/Musikstück angeboten – sondern gleich eine ganze Identität. Diese ganze Identität wird zur Ware – die man ja nach Bedarf kaufen und auch wieder wechseln kann (die Grenzen setzt hier das verfügbare Kapital und die dadurch entstandenen Ideologien (beispielsweise: koloniale Ideologie)). Ein anderes Merkmal der Popkultur ist der besondere Fokus auf den Popstar, genauer gesagt auf die von ihm vorgelegte Identität. Wer Platten und dann möglicherweise auch die Collection von Haftbefehl kauft oder HBO-Serien konsumiert, der oder die eignet sich eine ganz bestimmte, warenförmige und über die Popkultur vermittelte Identität an. Diese Kultur ist durch ihre Warenförmigkeit allein schon entfremdet. Sie ist ein Produkt und alles andere als irgendwie natürlich gewachsen. Der Glaube das dies irgendwie nicht so sei, dass sich irgendeine Kulturform auf Dauer dieser popkulturindustriellen Totalität entziehen kann, lässt sich getrost als „notwendiges aber falsches Bewusstsein“ (Adorno) bezeichnen. Kurzum: es ist Ideologie.

Ideologie: Realness, „einzige Mucke wo man das was man sagt auch Verkörpern muss“ (Megaloh) und Authentizität. Gerade der Rap tut sich hier bei durch eine ganz besondere Ideologie hervor, die – mit Bezug auf ihren Gründungsmythos – ihre Außenseiterhaltung betonen möchte. Nun mag – darüber lässt sich sicherlich streiten – Rap irgendwann mal vielleicht ein Gift gegen das kapitalistische System und damit auch gegen die Weiße Vorherrschaft gewesen sein. Doch aus diesem Gift hat der Kapitalismus eben jenen Rausch gemacht, von dem Brecht im Eingangs zitierten Zitat gesprochen hat. Ideologien sind einer der Gründe warum jedoch die gegenwärtige kapitalistische Welt so existieren kann, wie sie existiert. Sie liefern die Legitimation. Der vollkommen einer kapitalistischen Logik folgende Kolonialismus, wurde mittels kolonialer Ideologie zu einem Projekt der Aufklärung. Der kaum übersehbar auseinanderdriftende Klassenwiderspruch wird mittels nationalstaatlicher Ideologie verdeckt und Ausbeuter und Ausgebeutete werden zu einer Nation. Um es in den Worten von K.I.Z. zu sagen: „Du und dein Chef haben nichts gemeinsam bis auf das Deutschland-Trikot.“ Wenn Fler im jüngsten Interview mit Nicko von Backspin also vom Unterschied zwischen Rap und Pop spricht, dann ist das Ideologie. Ideologie mit der er sein Schaffen im Kapitalismus legitimiert. Und nichts anderes.

Rap: Rap ist Kunst und Rap ist künstlich. Rap ist eine Ware und Rap ist popkulturindustriell. Rap funktioniert, weil Leute Bock haben in eine bestimmte Identität zu schlüpfen. Sei es nun die eines Offenbacher Kanacks, eines gütigen Bosses oder die eines verpeilten Wieners mit Hang zum Intellektualismus.

In diesem Sinne:

Sheesh.

2 KOMMENTARE

  1. Dendemann (Eins Zwo) 1999: „Für die Unterhaltungsbranche ein nicht zu unterschätzender Schwachpunkt
    Jetzt noch Hip Hop pädagogisch wertvoll – aller Achtung
    Die Idee ist eben so einfach wie effektiv,
    weil jeder kleine sensible Seismographensohn, der bisher nur weg lief
    Und all die Prinzessinnen auf der Erbse,
    die können dank Hip Hop jetzt guten Gewissens behaupten, sie seien das derbste
    Weil gegenüber‘m Fachblatt, sich das auch immer ausgedacht hat,
    es ist groß, wenn du als Schmalhans mit deinen Muskeln prahlen kannst“

  2. Was für ein Schwachsinn. Dieser komplette Artikel ist Fremdschämen pur. Chucky Goldstein, bitte lass für immer die Finger von Rap.

    In diesem Sinne: SESH

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