Anfang August 2015 kam es im „Grünen Haus“ Suhl zur öffentlichen Auseinandersetzung mit dem Thema „Grauzone“. Seit Jahren schwelte der Konflikt bereits in der subkulturellen Szene von Suhl. Seit nun mehr als einem Jahr hatten sich Vereinsmitglieder des „Grünen Haus e.V.“ und die lokale Antifa mit dem Thema befasst. Eine Mitgliederversammlung im November entschied sich in einer Abstimmung knapp für die Akzeptanz der „Grauzone“ im ehemals linken Projekt. Nach dieser fatalen Entscheidung, ziehen die Antifa Suhl/Zella-Mehlis und andere linken Projekte nun die richtigen Konsequenzen.

Was war geschehen?

Am Abend des 7. August 2015 fand im „Grünen Haus“ Suhl ein Punkrockkonzert statt, um das zu dem Zeitpunkt finanziell schlecht aufgestellte Projekt zu unterstützen. Das Konzert stand im Rahmen der „Rettet das Haus“-Kampagne. Noch bevor das Konzert begann, fiel im Raum eine Person auf, welche ein T-Shirt der rechten Band „Überzeugungstäter“ trug. Als dies einigen Gästen des Abends auffiel, reagierten die Menschen am Einlass unschlüssig, wie sie denn nun verfahren sollten. Viele Besucher*innen und Vereinsmitglieder kannten den Träger des Shirts noch von früher, was der Grund war, warum der Neonazi trotzdem bleiben durfte. Im Laufe des Abends provozierte dieser immer wieder am Antifa-Infostand und wurde später handgreiflich gegenüber zwei Antifaschist*innen. Nach der Auseinandersetzung wurde dieser durch Vereinsmitglieder isoliert und die Antifaschist*innen nach längerer Diskussion weggeschickt.

Wie der damaligen Stellungnahme der Antifa Suhl/Zella-Mehlis zu entnehmen ist, war das Haus in der Vergangenheit immer auch ein Ort, an dem linksradikale Veranstaltungen stattfinden konnten und emanzipatorische Bildungspolitik betrieben werden konnte. Auch der Umstand, dass es regional keine weiteren linke Projekte gab, ermutigte die lokalen Antifaschist*innen dazu um das Haus zu kämpfen und

„den Grauzonen-Mief endgültig abzuwerfen und das Haus wieder zu dem zu machen, als was es südlich des Rennsteigs in Thüringen lange Zeit fast ein Alleinstellungsmerkmal hatte: ein Hausprojekt, in dem für Nazis, Rassisten, Homophobe und Frauenfeinde kein Platz ist; einen Ort, wo jeder ohne Angst verschieden sein kann.“

Des Weiteren wollte man richtigerweise den Menschen im Haus, die sich dafür einsetzten, nicht die Solidarität entziehen.

Eine positive Entwicklung zeichnete sich ab

Infolge der Auseinandersetzung mit der Grauzonen-Thematik konnten zunächst Erfolge erzielt werden. So wurde im Selbstverständnis des „Grünen Haus‘“ verankert, dass sie „ein alternativer Raum und kein Grauzone- oder Nazischuppen!sind. Auch dem damaligen Täter, wegen dem es zu den teils körperlichen Auseinandersetzungen kam, wurde Hausverbot erteilt. Des Weiteren solidarisierten sich linke Gruppen und Einzelpersonen mit den Menschen, die sich entschieden gegen die „Grauzone“ stellen. Aufgrund der finanziellen Probleme, die das „Grüne Haus“ immer mehr belasteten, wurden an einigen Orten Solikonzerte, Küfas und Partys organisiert. Doch nicht nur solche Events, sondern eine Auseinandersetzung mit der eigentlichen Problematik, der „Grauzone“, fanden im Grünen Haus statt. So veranstaltete das Online-Fanzine „Thüringenpunk“ seine dritte Geburtstagsparty in der Location und hielt, bevor das Konzert begann einen Vortrag zum Thema „Grauzone“.

Probleme traten erneut auf

Am 6. September diesen Jahres, knapp einem Jahr nach dem Auslöser der Auseinandersetzungen, wendete sich jedoch das Blatt. Mehrere Vereinsmitglieder sollen provokativ mit Krawallbrüder-Shirts Zutritt zum Sommerfest des „Grünen Haus“ bekommen haben. Die am Einlass hängende Ausschlussklausel, welche Neonazis den Zutritt verweigert, wurde abgerissen und Konzertbesucher angepöbelt. Obwohl mehrere Besucher*innen des Konzerts auf diesen Missstand hinwiesen, sahen sich die Verantwortlichen für den Tag nicht zum einschreiten genötigt.

Antifa und linke Projekte ziehen Konsequenzen

Innerhalb des vergangenen Jahres ist es den lokalen linken Gruppen und Einzelpersonen leider nicht gelungen die „Grauzone“ aus dem Haus zu verbannen. Bezüglich des zukünftigen Umgangs mit der „Grauzone“ wurde schließlich eine Mitgliederversammlung für den 11. November terminiert. Im Zuge dieser Versammlung wurde darüber abgestimmt, ob „Grauzone“ im „Grünen Haus“ toleriert werden soll. Mit knapper Mehrheit wurde sich für die Toleranz der Grauzone ausgesprochen.

Die hat nun zur Folge, dass sich nun mehrere Gruppen und Einzelpersonen aus dem „Grünen Haus“ zurückziehen. Im aktuellen Statement, welches von der Antifa Suhl/Zella-Mehlis, Thüringenpunk, der Küfa Suhl und LFWP-Suhl maßgeblich getragen wird heißt es:

„Unter den aktuellen Gegebenheiten sehen wir derzeit keine Basis mehr für eine gemeinsame Arbeit. Es liegt an jedem selbst, Konsequenzen aus der Situation vor Ort zu ziehen. Unsere Konsequenz ist es, dass wir im Haus keine Möglichkeit sehen, gewisse Standards im Umgang mit Grauzone und Neonazis oder gar eine emanzipatorische Politik durchzusetzen. Die anfängliche Hoffnung, nachhaltig etwas im Grünen Haus Suhl verändern zu können, betrachten wir nach den eineinhalb Jahren als gescheitert.“

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