Thüringen gilt als Wohlfühloase was Neonazikonzerte und Festivals angeht. Im vergangenen Jahr fanden hier laut Mobit etwa 50 rechte Musikveranstaltungen statt. Für den 10. Juni wurde nun der so genannte „Thüringentag der nationalen Jugend“ in Gotha angemeldet. Die hiesige Neonaziszene gilt als bundesweit vernetzt und ist bekannt für die Organisation rechter Musikveranstaltungen.

Seit 2002 findet der „Thüringentag der nationalen Jugend“ regelmäßig einen Platz im Kalender zahlreicher Neonazis. Seitdem zieht die Veranstaltung mit Festival-Charakter hunderte Neonazis aus dem gesamten Bundesgebiet an. Der Austragungsort variiert jährlich. Jedoch findet das Event immer dort statt, wo die Nazis bereits über gefestigte Strukturen verfügen oder eine rassistische Grundstimmung herrscht.
Im vergangen Jahr fand das Event beispielsweise in Sömmerda statt. Die mittelthüringische Stadt war im letzten Jahr aufgrund eines rassistischen Mitarbeiters in der Ausländerbehörde sowie einer Hetzjagd auf Asylsuchende negativ in die Schlagzeilen geraten. Im Jahr zuvor wählten die Neonazis den kleinen Ort Kahla als Austragungsort. 2003 fand der „Thüringentag der nationalen Jugend“ schon einmal in Gotha statt.

Ein Lebenszeichen der Thüringer NPD

Die Thüringer NPD, die maßgeblich an der Organisation des „Thüringentag der nationalen Jugend“ in Erscheinung tritt, scheint mit dem Festival nochmals ein Lebenszeichen von sich geben. In den letzten Jahren zog sich der thüringische Verband immer mehr aus der Öffentlichkeit zurück. Auch interne Streitigkeiten machten der Partei zu schaffen. Vor allem von den schwachen Wahlergebnissen (3,6%) bei der Landtagswahl 2014 und mit dem Austritt verschiedener Kader wie David Köckert oder Enrico Biczysko hat sich die NPD-Thüringen bis heute nicht erholt. Weiterhin wurde kurz vor der Wahl bekannt, dass gegen den damalige Spitzenkandidat Patrick Wieschke aufgrund eines Missbrauchs-Verdachts in jungen Jahren ermittelt wurde.

NPD-Demo am 2. April 2016 in Gotha
Neonaziszene in Gotha

Die Gothaer Neonaziszene sorgte in der Vergangenheit immer wieder für Aufsehen. Im letzten Jahr kam es hier zu insgesamt zwei Aufmärschen, denen sich Neonazis aus verschiedenen Bundesländern und Organisationen anschlossen. Des Weiteren machte die Szene vor allem aufgrund des Überfalls auf eine feiernde Kirmesgesellschaft im nahe gelegenen Ballstädt sowie der öffentlichen Androhung eines Attentats bundesweit auf sich aufmerksam. Die Organisation von rechten Konzerten ist eines der Hauptbetätigungsfelder der Gothaer Neonazis. Diese dienen allen voran dazu Repressionskosten wie im Ballstädtprozess decken zu können oder Immobilien zu erwerben.

Zahlreiche rechte Musikveranstaltungen in Thüringen

Der „Thüringentag der nationalen Jugend“ reiht sich in riesiges Sammelsurium von Neonazievents ein. Neben zahlreichen Konzerten in Kirchheim und Kloster Veßra finden mit dem „In Bewegung“-Festival, dem „Rock für Meinungsfreiheit“ in Hildburghausen sowie den „Eichsfeldtag“ in Leinefelde mehrere Rechtsrock-Openairs in Thüringen statt.

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