Der Mythos vom „Kampf der Kulturen“ ist wissenschaftlich offensichtlich nicht ernstzunehmen. Wieso erfreut sich die Erklärung globaler und sozialer Konflikte mit „Kultur“ dennoch so großer Beliebtheit? Was meinen selbsternannte Verteidiger_innen des Abendlands und Jihadist_innen, wenn sie von „Kultur“ sprechen? Wie hängen Kolonialismus, Kapitalismus und islamischer Fundamentalismus zusammen? Diesen Fragen widmet sich das Buch „Kulturalismus und Soziale Krise“ von Sarah Kreimendahl und Karl-Heinz Kreuzer, das ab März 2017 bei edition assemblage erscheinen wird.

Das vom Sechel-Kollektiv unterstützte Buch besteht aus zwei Teilen. Im ersten Teil befasst sich Sarah Kreimendahl vor dem Hintergrund postkolonialer Theorie mit möglichen sozialen Ursachen für islamistischen Terrorismus. Hierzu zieht sie Interviews, die sie mit jungen Menschen in Jordanien geführt hat, heran, um verständlich zu machen, welchen strukturellen Problemen sowohl durch lokale Herrschaftsverhältnisse als auch durch westliche Diskurse Jugendliche im arabischen Raum ausgesetzt sind und wie diese im Verhältnis zum Islamismus stehen. Kreimendahl setzt sich überdies kritisch mit dem Verhältnis des westlichen, oftmals kulturalistischen, Feminismus zur so genanten ‚Islamischen Welt‘ auseinander.

Im zweiten Teil untersucht Karl-Heinz Kreuzer den der kulturalistischen Ideologie zu Grunde liegenden Kulturbegriff am Beispiel von Samuel P. Huntingtons „Kampf der Kulturen“ und stellt seine Spezifika heraus. Er zeigt auf, welche Ähnlichkeiten Huntingtons Kulturbegriff zum hegemonialen Kulturbegriff in der kapitalistischen Moderne hat und wie dieser funktional für eine affirmative Erklärung aktueller Krisenphänomene ist. Der zweite Teil endet mit der Auseinandersetzung um die Frage, ob es einen alternativen, nicht-identischen Kulturbegriff auf materialistischer Basis geben kann und ob dieser nützlich für die Sache der menschlichen Emanzipation wäre.

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