Mit gerade einmal 28.000 Einwohner*innen ist Köthen nicht gerade die größte Stadt in Sachsen-Anhalt. Dennoch schafft es die Kreisstadt des Landkreises Anhalt-Bitterfeld immer wieder zum Teil in die überregionale Presse. Sei es durch die Familie Ritter, die bereits vor Jahren durch Spiegel TV traurige Berühmtheit erlangte, oder durch Schlagzeilen wie „Übergriffe auf Chinesen und Syrer in Köthen“ aus dem September 2015 oder „Brand an Asylunterkunft in Köthen“ vom 29. Oktober.

von Simon Telemann & Lionel C. Bendtner

Immer wieder rechte Aktionen in Köthen

Am 18. September 2016 berichtete auch die Tageszeitung »Neues Deutschland« über eine rechte Spontandemonstration in Köthen. Hierbei hieß es „Neonazis greifen Polizei in Köthen an“. Anlass für die Spontandemonstration war ein angeblicher Überfall von Geflüchteten. Keine zwei Wochen später legten Unbekannte an einer Tür des Flüchtlingsheimes in Köthen ein Feuer und zerstörten ein Fenster. In diesem Haus lebten damals minderjährige Flüchtlinge in einer Wohngruppe.

Nur knapp zwei Monate später, am 12. November 2016, ist Köthen wieder bundesweit in den Schlagzeilen. „Rechte Angreifer attackieren Filmvorführung in Köthen“, so die Schlagzeile in der Mitteldeutschen Zeitungen. Hierbei handelte es sich um eine Filmvorführung, die rechte Gewalt in Deutschland in den 1990er Jahren in den Mittelpunkt stellen wollte. Die Angreifer zerstörten ausgelegtes Infomaterial, warfen Tische und Stühle um, zündeten Pyrotechnik und attackierten die Besucher*innen der Veranstaltung mit Glasflaschen. Bereits im Oktober 2015 schändeten vermutlich Neonazis ein jüdischen Friedhof in Köthen. Bei dem antisemitischen Akt wurden mehrere Grabsteine umgestürzt und von ihren Sockeln gebrochen. Hierbei wurde ein Schaden von 5000 Euro angerichtet.

Der „Nationale Widerstand Köthen“

Wenn man ein Blick auf die Gruppe, die sich »Nationaler Widerstand Köthen« nennt, wirft, lässt sich feststellen, dass die Gruppe ca. 10 Leute aus Köthen und Umgebung umfasst. Zu erkennen sind sie durch gemeinsame Sweatshirts auf Demonstrationen. Sie selbst sehen sich als Teil des »Nationalen Kollektivs Anhalt« (»NKA«). Viele von ihnen kommen aus dem Gebiet Anhalt. So haben sie auch gute Kontakte nach Dessau, Bitterfeld und zur »Brigade Halle«, mit denen sie gemeinsam auf Demonstrationen auftreten und gemeinsame Anreisen organisieren.

Aggressives Verhalten bei rechten Demonstrationen

Seien es Demonstrationen von der Partei »Die Rechte“ oder freien Kameradschaften; die Neonazigruppe aus Köthen ist bei zahlreichen rechten Veranstaltungen in Sachsen, Thüringen und Sachsen-Anhalt anzutreffen. In der Vergangenheit fielen Neonazis aus Köthen und Umgebung durch aggressives Verhalten gegenüber Journalist*innen und Gegendemonstrant*innen auf. Bereits am 30. Januar dieses Jahres demonstrierte »Die Rechte« in Stendal (Sachsen-Anhalt), wobei Teile der Gruppe versuchten, anwesenden Journalist*innen und deren Technik mit Schneebällen Schaden zuzufügen und sie somit von ihrer Arbeit abzuhalten.

Neonazis versuchen mit Schneeballwürfen Journalisten zu treffen
Neonazis versuchen mit Schneeballwürfen Journalisten zu treffen

Des Weiteren versuchten auch Personen um die Gruppe am 6. Februar 2016 die antifaschistische Demo »Solidarity without limits« zu stören, die zeitgleich zu einem Pegida-Aufmarsch stattgefunden hatte. Am 17. August 2016, dem Todestag von Rudolf Hess, demonstrierte Thügida in Jena. Auch dort war der »Nationale Widerstand Köthen« anzutreffen und versuchte alle vor Ort arbeitenden Journalist*innen durch Verdecken der Kamera und Bedrängen von ihrer Arbeit abzuhalten. Mitglieder der Gruppe versuchten auch mehrfach Gegendemonstrant*innen aus ihrer Demonstration anzugreifen.

Neonazi der Gruppe bedrängt Journalisten in Jena
Neonazi der Gruppe bedrängt Journalisten in Jena

Laut einem Artikel auf dem Infoportal »Indymedia Linksunten« sollen Personen aus Dessau, die sich im Umfeld des »NKA« bewegen, am 3. Oktober 2016 in ein Haus in der Oberstraße in Burg (Sachsen-Anhalt) versucht haben einzudringen. Am gleichen Wochenende war die Gruppe auch in Gotha bei einer Demonstration anwesend. Hier demonstrierten sie unter dem Motto „Gegen linke Gewalt“, wobei sie anwesende Journalist*innen bedrohten und bedrängten und somit versuchten ihre Arbeit zu verhindern.

Bedrohung und Hetze auf Facebook

Nicht nur auf der Straße sondern auch im Internet sprechen die gewaltbereiten Neonazis ihre Drohungen aus. So kam es über Facebook zu indirekten Morddrohungen gegenüber Journalisten. So schrieben sie beispielsweise „Danke an Herrn Bialek #Kofferraum“. Der Kollege beobachtet seit Jahren die rechte Szene in Sachen-Anhalt, was der hiesigen Neonaziszene scheinbar alles andere als in den Kram passt. Mit dem Hashtag „#Kofferraum“ ist eindeutig ein öffentliche Bedrohung gegen Journalist*innen, die sich in Augen der Gruppe mit den falschen Themen beschäftigen. Auf ihrer Facebook Seite kommentierten sie das Thema der »Mitteldeutschen Zeitung« „Trauriger Rekord in Anhalt Massiver Anstieg von rechten Vorfällen“ mit den Worten „Was? Wer? Warum? 😉 #NKA“. Zum Spendenlauf der Ahrensburger für Flüchtlinge hat die Gruppe auf Facebook nur zu sagen: „Warum laufen die nicht selbst? dann können sie schon mal für die Heimreise üben“.

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