Unter dem Motto „love and solidarity“ plante die Gruppe „I Furiosi“ für Freitag, 9. Dezember 2016 eine Party zu Gunsten des Rechtshilfekonto Düsseldorf. Um 23 Uhr begannen die Feierlichkeiten. Im Verlaufe der Nacht rückte die Polizei drei mal wegen „Ruhestörung“ an, am Ende mit rund 50 Polizist_innen. Laut „I Furiosi“ war die Party bereits beendet als die Düsseldorfer Polizei mitten im „Linken Zentrum“ begann zu eskalieren.

Der Ablauf

Nicht nur aus Düsseldorf reisten Menschen am Abend ins „Linke Zentrum“ um sich einen schönen Abend zu machen. Das LineUp überzeugte vor allem Fans von elektronischer Musik. Entsprechend wurde ein „basslastiger“ Abend erwartet. Schon nach rund zwei Stunden war die Polizei zum ersten Mal zur Location gefahren. Offenbar hatten sich Anwohner_innen über die Lautstärke beschwert. Laut den Veranstalter_innen wurde darauf reagiert, der Bass etwas raus genommen, die Musik leiser gedreht, rund zwei Stunden später erschienen wieder Beamte wegen „Ruhestörung“. Drei Uhr war es in etwa, kurze Zeit später sollte die Polizei das dritte Mal eintreffen. Dieses Mal mit reichlich Verstärkung um die Party zu beenden.

Gäste der Party schilderten die Musik sei bereits fast nicht mehr zu hören gewesen, in der Halle habe man sich in normaler Lautstärke unterhalten können. Ein Schild am Hinterausgang der linken Lokalität wies zu dem darauf hin, dass die Tür nur im Notfall zu öffnen sei. Den Abend über wurde die Tür kein einziges Mal geöffnet, auch weil „I Furiosi“ weiß das bei geöffneter Hintertür die Musik in den Hinterhof schallt. Als die Polizei selbst im Laden stand, war die Party beendet. Die Gäste begaben sich langsam hinaus. Eine Polizistin war zunächst deeskalativ, machte bestimmt Druck. In Gesprächen zwischen den Veranstalter_innen und der Beamtin wurde verdeutlicht, dass der Laden noch aufgeräumt werden müsse. Die Polizeibeamte schien zu verstehen, gab positives Feedback, fünf Leute dürften zum Aufräumen bleiben hieß es.

Währenddessen standen viele Polizeieinheiten im Hinterhof, plötzlich änderte sich die Strategie der Polizei. Ein älterer Beamter ging hinein, aggressiv und aufbrausend forderte er die Gäste auf den Laden unverzüglich zu verlassen. Die meisten suchten gerade noch Jacken und Taschen zusammen, ohnehin waren kaum noch Menschen da. Es kam zu verbalen Auseinandersetzungen, noch anwesende Gäste filmten die Geschehnisse, wurden daraufhin die Treppe des Linken Zentrums hinunter geschubst. Ein Handgemenge folgte, in der die Polizei, mehrere Gäste brutal zu Boden schmetterte, teilweise mit Hunden durch die Straßen jagte. Aus dem Laden heraus sprühten Beamte Pfefferspray auf die Gäste, die kurz zuvor den Laden auf Anweisung der Polizei verlassen hatten. Am Morgen stand fest: Es gab sechs Festnahmen, dutzende verletzte Gäste und große Irritation über die Unverhältnismäßigkeit des Polizeieinsatzes.

“Polizeiwillkür, das trifft vielleicht auf 1945 zu.“

Es war etwa 5.30 Uhr als noch immer fast 50 Polizist_innen und 20 Polizeiwagen auf der Corneliusstraße standen. Mittlerweile waren auch Gäste zurück gekommen, die schon vor der Eskalation die Party verlassen hatten. Sie diskutierten mit der Polizei, beklagten Verletzte und die Unverhältnismäßigkeit des Einsatzes. Im Gespräch fiel oft das Wort „Polizeiwillkür“, da schaltete sich ein Hundertschaftsbeamter ein, er sagte Polizeiwillkür treffe vielleicht auf 1945 zu. Ein Kommentar, der erahnen lässt wie es um die politische Bildung von einigen Polizist_innen steht.

Screenshot der kurzen Stellungnahme der Gruppe "I Furiosi" bei Facebook.
Screenshot der kurzen Stellungnahme der Gruppe „I Furiosi“ bei Facebook.

Kurzerhand wurde das „Linke Zentrum“ zum Tatort klärt, die Spurensicherung wurde angefordert. Beamte versperrten reihenweise den Eingang. Als „einen noch nie da gewesenen Vorgang“ bezeichneten es die Veranstalter_innen. Der Grund für die Spurensicherung: Eine Flasche sei geflogen, doch weder auf der Corneliusstraße, noch im Hinterhof oder im Linken Zentrum waren Glassplitter zu finden, auch die Spurensicherung fand keine Hinweise. Als der Rechtsanwalt Jasper Prigge eintraf, zog sich die Polizei zurück, Einsatz beendet. Gegenüber „Sechel“ sagt Prigge über den Polizeieinsatz: „Der Einsatz ist der Düsseldorfer Polizei offenbar völlig entglitten. Ruhestörung war der Anlass, mehrere Verletzte das Ergebnis. Diese Vorgehensweise halte ich für unverhältnismäßig.“

Danach wurde erörtert wer in Gewahrsam genommen wurde. Einige Menschen entschlossen sich zum Polizeipräsidium zu gehen und dort auf die Freilassung zu warten. Bis 10.00 Uhr dauerte es als auch die letzte festgenommene Person die Gefangenensammelstelle verlassen konnte. Einzeln berichteten sie über die Maßnahmen der Düsseldorfer Polizei. Die erste Person beklagte mehrere Schläge ins Gesicht, erläuterte dazu, dass sie sich permanent mit Handschellen in der Zelle befunden hab, ohne eine Möglichkeit zu trinken. Als sie aus der Gefangenensammelstelle entlassen wurde, sagt ihr die Polizistin, die ihr mehrfach ins Gesicht geschlagen hatte: „Und am Ende gewinnen immer wir!“, später fuhr die Beamtin mit einem Streifenwagen vorbei und winkte ihr, mit einem Lächeln im Gesicht.

Als die zweite Person heraus kam, wurde das ganze Ausmaß der Polizeigewalt deutlich. Der „Sechel“-Redaktion liegen Bilder vor, die ein völlig demoliertes Auge zeigen. In der Zeit, in der er sich in Gewahrsam befand, wurde ihm vier Stunden lang der Zugang zu einem Arzt, durch die Polizei, verwehrt. Dann erst erschien ein Arzt, der ihm nach der Besichtigung seiner Verletzung dazu riet schnellstmöglich eine Augenklinik aufzusuchen. Die vierte Person berichtete, dass sie in einen Gefangenentransporter gesteckt wurde, in dem noch Erbrochenes von einem vorherigen Einsatz lag. Auch hier liegt der „Sechel“-Redaktion ein Bild dazu vor.

Empört zeigte sich die veranstaltende Gruppe „I Furiosi“ kurz nach dem Ende des Polizeieinsatzes um 07.20 Uhr. Auf Facebook verfassten sie ein kurzes Statement, in dem es heißt „gewalttätiger hätte man eine Party kaum beenden können“. Zu dem erklären sie darin ihre Solidarität mit den verletzten Besucher_innen und ordnen ein, dass es für die Polizei ein leichtes gewesen wäre die Situation ohne Eskalation zu beenden, denn „von den restlichen Gästen ging zu keinem Zeitpunkt irgendeine Gefahr aus“.

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