Die Demonstration zum Feministischen Kampftag in Leipzig ist auf großes Interesse gestoßen. Rund 1600 Menschen aller Geschlechter beteiligten sich am 11. März an einer für Leipziger Verhältnisse lautstarken Demonstration. Inhaltlich ging es um einen Feminismus, der sich auch gegen Rassismus, Ausbeutung und die kapitalistische Gesellschaftsordnung richtet.

Am Clara-Zetkin-Denkmal südlich des Johanna-Parks hatten sich um 13 Uhr nur wenige hundert Menschen gesammelt. Erst eine halbe Stunde nach Versammlungsbeginn steigerte sich die Teilnehmer*innenzahl maßgeblich. Während die kommunistische Gruppe the future is unwritten einen Redebeitrag zum Verhältnis feministischer und kommunistischer Bestrebungen hielt, strömten von drei Seiten immer weitere Teilnehmer*innen zu der Kundgebung. „Keine Revolution ohne Feminismus, kein Feminismus ohne Revolution“ war das Fazit der Leipziger Libertärkommunist_innen. Den Beginn hatte die Antifa Klein-Paris mit einer Rede zum Antifeminismus der so genannten „neuen Rechten“ gemacht. Kleinere Restriktionen waren polizeiliche Vorkontrollen von Anreisenden und das kurzzeitige Abfilmen der Kundgebung zu Beginn. Beides wurde allerdings noch im Laufe der Auftaktkundgebung wieder eingestellt.

Bildquelle: Feministischer Kampftag Leipzig
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Die Demonstration zog mit einem großen und geschlossen wirkenden Frauen-Lesben-Trans-Inter-Block an der Spitze die Karl-Tauchnitz-Straße entlang zum Wilhelm-Leuschner-Platz. Zahlreiche Transparente und Schilder verwiesen auf aktuelle und grundsätzliche feministische Anliegen. Das Fronttransparent richtete sich dem diesjährigen Motto entsprechend gegen den sexistischen Rollback in der BRD. Andere Transparente forderten eine „Care Revolution“, das Ende von sexistisch motivierten Morden oder kritisierten die Abwertung weiblich gelesener Geschlechtsorgane. An einem Transparent mit der Aufschrift „Viva la Vulva“, das auch auf der Demo mitgeführt wurde, hatten im Vorfeld Personen in den sozialen Medien Anstoß genommen. Das Transparent sei „transfeindlich“ und „rassistisch“. Aus Kreisen des Bündnisses zum Feministischen Kampftag wurde die Kritik als unbegründet zurückgewiesen. Das Transparent bilde lediglich eine bestimmte Lebensrealität unter sexistischen Verhältnissen ab und sei kein Indiz dafür, dass die Demonstration biologistische Kriterien an Geschlechtsidentitäten anlege.

Bildquelle: Feministischer Kampftag Leipzig
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Auf der Zwischenkundgebung am Wilhelm-Leuschner-Platz sprach die Undogmatische Radikale Antifa aus Dresden, eine Gruppe aus dem kommunistischen um’s-Ganze-Bündnis. Sie vertrat die Auffassung, Frauen seien unter den aktuellen Verhältnissen einer doppelten Vergesellschaftung unterzogen: einer kapitalistischen als Marktsubjekte und einer patriarchalen als in die Sphäre der Reproduktion Gebannte. Die Gruppe Prisma, Leizpiger Ablegerin der Interventionistischen Linken, hielt eine Rede zu den Kämpfen in der Care-Arbeit und rief zur Unterstützung des Netzwerk Care Revolution auf.

Bildquelle: Feministischer Kampftag Leipzig
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Eine weitere Zwischenkundgebung fand vor dem Amtsgericht in der Bernhard-Göring-Straße statt. Die Rojava Soli Gruppe Leipzig verwies in einer Rede auf die wichtige Rolle von Frauen im Kampf gegen staatliche und kapitalistische Unterdrückung und für eine befreite Gesellschaft. Exemplarisch erinnerte sie an die Sakine Cansız, Fidan Doğan und Leyla Şaylemez. Die drei in der kurdische Freiheitsbewegung aktiven Frauen wurden 2013 in Paris in ihrem Büro im Kurdischen Informationszentrum ermordet. Der französische Staat behindert seitdem eine konsequente Aufklärung der Morde. Naheliegend ist eine Beteiligung türkischer Nationalist*innen oder gar türkischer Staatsorgane. Der Verein Frauen für Frauen Leipzig hielt eine Rede über seine Unterstützungsarbeit für Frauen, die von patriarchaler Gewalt betroffen sind. Es wurde dargestellt, dass patriarchale Gewalt zu Traumatisierungen und anderen psychischen und körperlichen Problemen führen kann. Die mangelnde gesellschaftliche Unterstützung für betroffene Frauen wurde kritisiert. Außerdem wies der Verein darauf hin, dass verschärfte soziale Verhältnisse wie etwa Mietsteigerungen von patriarchaler Gewalt betroffene Frauen besonders hart treffen können, da sie ein unabhängiges und selbstbestimmtes Leben maßgeblich erschweren.

Bildquelle: Feministischer Kampftag Leipzig
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Immer noch laut und geschlossen zog die Demonstration über die Kurt-Eisner-Straße und die Karl-Liebknecht-Straße zu ihrem Abschlusspunkt. Auf der Karl-Liebknecht-Straße wurde noch ein Bengalo entzündet, was die Polizei mit einem kurzzeitigen Stop der Demonstration veranlasste. Weitere Repressionen gab es jedoch nicht. Auf der Abschlusskundgebung in der Selnecker Straße stellten noch die feministische Bibliothek MonaLiesa, die AG FemPowerment des Roten Stern Leipzig und der Verein Frauenkultur ihre Projekte und ihre inhaltlichen Standpunkte vor. Bündnis-Pressesprecherin Luca Weber resümierte in einer Pressemitteilung: „Auch wenn heute eine großartige Demo war, ist jeder Tag ein feministischer Kampftag. Somit machen wir auch als Bündnis weiter! Wir sehen uns bald wieder.“

Bildquelle: Feministischer Kampftag Leipzig
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