Am kommenden Sonntag, 25.10.2015 werden erneut hunderte Rassist_innen auf den Straßen Kölns erwartet. Der Anlass ist die Jährung der HogeSa-Demonstration vom 26.10.2014 bei der ca. 4000 rechte Hooligans und Nazis Angriffe gegen Migrant_innen, ein chinesisches Restaurant und Antifaschist_innen verübten. Dass zahlreiche Anhänger_innen und Hooligans von Fortuna Düsseldorf vor Ort waren, öffentlich auftraten und aktiv am aufbau von rechten strukturen beteiligt waren, ergibt die folgende Auswertung unserer Recherche.


Düsseldorfer Beteiligung bei Vorgängergruppen

Bei den Vorgängern von HoGeSa, „Gnuhonnters“ und „Alte Schule Deutschland“ waren Mitglieder der Gruppe Bushwhackers beteiligt. Schon hier war der politische Inhalt eindeutig: „Herstellung alter Werte“, „Keine Antifa im Stadion“ und „Meinungsfreiheit zurückgewinnen“. Im Sommer 2012 wollten rechte Hooligans dies auch im Stadion zeigen. Fortuna trat auswärts bei der Spielvereinigung Greuther Fürth an, kurz vor Anpfiff stürmten zwei Hooligans der Bushwhackers in den unteren Bereich des Blockes, Manuel „de Janeiro“ („Galego“, Redebeitrag bei HogeSa am 26.10.2014) bestieg den Zaun und wetterte gegen antirassistische Ultras. Der andere, Pascal Ried (ehemals „Nationale Front Düsseldorf – LDU“), führte die Auseinandersetzung gegen antirassistische Ultras im Block fort. Schon damals pflegte die Gruppe eine Freundschaft zu der neofaschistischen Ultra- und Hooligangruppe Frente Atlético. Rechte Hooligans, die sich zur Fanszene der Fortuna zählen, besuchten nahezu jedes Treffen der Vorgängergruppen. Vor allem Stefan Schöpp und „Chelsea Tom“ waren für die Bushwhackers vertreten. Eine weitere Praxis des HoGeSa-Vorgängers war die Gründung der Facebook-Gruppe „Weil Deutsche sich’s noch trau’n!“. Auch hier waren fünf rechte Hooligans, weitestgehend Mitglieder der Bushwhackers, vertreten. Unter Anderem erneut „Chelsea Tom“ und Stefan Schöpp. „Chelsea Tom“ pflegt persönlich sehr gute Kontakte zu einigen Frente-Mitgliedern und lässt sich gerne mit einem Hitler-Gruß ablichten.

Aus Liebe zum Hooliganismus?

Am 26.10.2014 versammelten sich, nach mehreren konspirativ organisierten Protestaktionen gegen salafistische Kundgebungen, zum zweiten Mal die HoGeSa. Mit von der Partie waren allseits bekannte Größen aus neonazistischen Parteien und Kameradschaften, vermeintlich „unpolitische“ Hooligans, Nazi-Hools, Rechtspopulist_innen und sogenannte besorgte Bürger_innen. Eine Woche vorher kam es beim Auswärtsspiel der Fortuna zu einem Übergriff auf die Gruppe „Dissidenti Ultra“ von ca. 80 Hooligans. Nach diesem brutalen Angriff und der Präsentation eines Banners „Keine Freundschaft ist illegal“, rief der Supporters Club Düsseldorf zum „runden Tisch“ unter Einbeziehung der Aggressoren. Alle Anwesenden einigten sich in einer Art Stellungnahme auf einen antirassistischen Konsens. Wie ernst es den rechtsoffenen Hooligans damit war, wurde Tage später deutlich als Bushwhackers und Fortuna Terror mit rund 50-60 Menschen an der HoGeSa-Demo teilnahmen. Darunter „Chelsea Tom“, die Kontakthersteller zu Frente Atletico und „88 Mirko“, auch vorher wurde auf privaten Facebook-Profilen mobil gemacht. Manuel „de Janeiro“ (Galego) hielt einen Redebeitrag und appellierte an die Teilnehmer_innen sich zu einer Bürgerbewegung zusammenzuschließen. Gerüchten zu Folge reisten einige Bushwhackers früher ab.

Fortuna-Legende auf Abwegen

Überraschenderweise rief HoGeSa auch eine Oberliga-Legende der Fortuna auf den Plan. Frank Mayer, zu Oberliga-Zeiten ein gefeierter Spieler und auch Darsteller in dem Film „Fortunas Legenden“, scheint die Ansichten der HoGeSa zu teilen. So nahm Mayer an der HoGeSa-Kundgebung im Oktober 2014 in Köln teil. Er war schon damals für seine Nähe zu den Fortuna-Hools bekannt. Bislang war er, nach unseren Informationen, bei anderen rechten Demonstrationen oder Kundgebungen nicht anwesend, so bleibt nur die Vermutung, dass er zumindest Sympathien für die rechten Hooligans hegt.

Hooligans, die keine sind

Mit dem Label HoGeSa ist auch der Begriff „Hooligan“ in der rechten Szene größer verankert denn je. Aktivist_innen, die bislang nicht den Sprung in eine organisierte Gruppe geschafft haben, treten nun als Hooligans auf oder werden als solche wahrgenommen. Dass die Rassist_innen bis Nazis höchst gewaltbereit sind, zeigt sich seit rund einem Jahr, denn besonders bei PEgIdA und den lokalen Ablegern finden diese sich oft in Ordner_innen-Funktionen wieder, greifen Journalist_innen oder Antifaschist_innen an und bewegen sich gelegentlich außerhalb der angemeldeten Demonstration. In Düsseldorf ist die Fortuna in diesem Klientel, wie bereits vor ca. 20 Jahren, sehr beliebt. Zahlreiche Fortuna-Anhänger_innen nahmen an DügIdA teil, vernetzten sich weiter in NRW und wurden so radikalisiert.

Nichts hören, nichts sagen, nichts sehen

So lautet das Motto wenn Nazis ihr Unwesen bei F95 treiben. Der Vorstand der Fortuna und die Stellungnahmen des Vereins zu den rechten Umtrieben haben einen großen Teil zum Problem beigetragen. Allen voran Sven Mühlenbeck (Vorstand Organisation und Spielbetrieb) , der stets eine ähnliche Strategie verfolgt wie es die Hooligans noch vor über einem Jahr taten. Politische Neutralität, eine vereinte Fanszene und die Unterstützung von Fortuna Düsseldorf, auch mit rechten Hools, vertritt das Vorstandsmitglied bis heute. Zwar wurde die Satzung mit einem Teil zu Antidiskriminierung ergänzt, diese ist jedoch nicht „politisch neutral“. Diskriminierung kann nicht in einen nicht-politischen Kontext geschoben werden, da sie allgegenwärtig ist, vor allem für die Betroffenen.

Es wird stets auf eine sogenannte „interne“ Lösung gesetzt. Wichtig ist für den Vorstand und auch für Teile der Fanszene, dass nichts an die Öffentlichkeit gelangt. Verständlicherweise, denn wenn den Funktionär_innen bewusst gemacht wird, dass bereits seit über fünf Jahren ein stetig wachsendes Problem besteht, sind diese gezwungen zu handeln. Es müsste tatsächlich eine politische und gesellschaftliche Auseinandersetzung mit einem bundesweit bekannten Problem stattfinden. Bislang glänzten Vorstand, Sicherheits- und Fanbetreuung meist damit, dass Sie das Gespräch mit Nazis gesucht haben. Was jedoch passiert, wenn man Nazis als legitime Gesprächspartner_innen akzeptiert, beobachten wir seit Anfang 2015.

Teile der Fan- und Sicherheitsbetreuung bemühen sich jedoch kontinuierlich Antidiskriminierungsarbeit durchzuführen. So werden Geflüchtete zu Spielen eingeladen, können an Bildungsreisen teilnehmen und gelegentlich läuft die Mannschaft mit einem besonderen Patch zum Aufwärmen ein. Geht es jedoch explizit um die Positionierung gegen Nazis, rechte und rechtsoffene Strömungen tut man sich weiterhin äußerst schwer. Auch das wird ein Grund sein warum Fortuna für Nazis und HoGeSa-Anhänger_innen weiterhin attraktiv ist. Rechte Hooligans haben ihr „unpolitisches“ Label über Jahre strategisch genutzt und tragen ihre politische Meinung offensiv in die Stadien, auf die Straßen und in die sozialen Netzwerke. Im Vorstand der Fortuna berufen sich Paul Jäger und Sven Mühlenbeck weiterhin auf politische Neutralität ohne zu verstehen, dass diese stets eine Strategie von rechten Hools war.

Gefährliche Allianz

„Düsseldorfer Hooligans gegen Antifa und 1312“ – So nennt sich eine Facebook-Gruppe in der sich über 300 Menschen befinden, nicht alle sind Düsseldorfer_innen oder gar Fortuna-Anhänger_innen, aber ein großer Teil. Wer die sozialen Netzwerke beobachtet, wird bestätigen können, dass sich eine schaurige Allianz aus rassistischen Bürger_innen, Rechtspopulist_innen, rechten Hooligans, Neonazis und Parteikadern gebildet hat. Diese äußern sich gezielt zu allen journalistischen Arbeiten, die Kritik an den rassistischen Strömungen üben und beispielsweise Recherche-Artikel veröffentlichen. In diversen Gruppen und auf öffentlichen Seiten kommentieren sie was das Zeug hält. Dabei fällt immer wieder der Begriff der „Lügenpresse“, wenn Fakten, Tatsachen und Beweismaterial geliefert werden. Die Nazis und rechten Hooligans verstehen es ihre Strategie unter die Bürger_innen zu bringen: rassistische Bilder und Ängste werden geschürt, politische Ziele mit Gewalt durchgesetzt. Die sozialen Netzwerke dienen als Plattform für rechtsradikale Propaganda, dabei wird stets suggeriert, dass in Deutschland Bürgerkrieg herrsche. Journalist_innen und Antifaschist_innen seien die wahren Faschist_innen, bezahlt vom „System“ und der „Regierung“.

Gespickt mit Ressentiments und einer öffentlichen Distanzierung von rassistischem Gedankengut, so hält es zur Zeit auch Alexander Heumann, Initiator der ersten DügIdA. Unter dem Dach „Düsseldorfer Bürger gegen den Flüchtlingsirrsinn“ vereinen Alexander und Angela Heumann, sowie Stefan Schöpp und ein bislang unbekannter Mann mit dem Namen Sascha aktuell Neonazis, rechte Hooligans, Rechtspopulist_innen und Rassist_innen um gegen Geflüchtete und Migrant_innen zu hetzen. Dabei verwenden sie, ähnlich wie die Bundesregierung und die Boulevardpresse, kulturalistische Ressentiments. Geflüchtete werden nicht als individuelle Menschen betrachtet, der_die „besorgte Bürger_in“ entscheidet wer „echter“ und „falscher“ Flüchtling ist. So wird weiter das Bild eines „handelsüblichen Flüchtlings“ suggeriert. „Handelsüblich“ steht dabei für die ökonomische Verwertung des Geflüchteten für die Bundesrepublik und die Volksgemeinschaft. Der rassistischen Hetze schließen sich nun auch wieder große Teile der Düsseldorfer Hooligans an. So zum Beispiel Uwe Hünecke, Mitglied der alten Bande Düsseldorf, der regelmäßig Busse zu den Auswärtsspielen der Fortuna organisiert. Ebenfalls in der Gruppe vertreten sind große Teile der Bushwhackers, sie äußern sich zwar nicht, dennoch scheint sie die Mitgliedschaft in einer Organisationsgruppe zu einer rassistischen Demonstration nicht zu stören. Ebenfalls am Start sind natürlich auch Fortuna Terror und die HogeSa-Anhänger_innen. Am Samstag, dem 07.11.2015, will die rassistische Allianz das auch auf Düsseldorfs Straßen tragen.

Fazit

Düsseldorf, die Fortuna, sowie die antifaschistischen Strukturen müssen nachhaltigen Einfluss auf die Mehrheitsgesellschaft nehmen. Die politische und gesellschaftliche Verantwortung kann sich nicht nur auf das Löschen des Brandherdes beziehen, sondern muss in die Offensive wechseln um rechte Strukturen zurück zu drängen. Die Folgen der rassistischen Mobilmachung sind absehbar und wurden bereits von zahlreichen antirassistischen Fortuna-Anhänger_innen und Antifaschist_innen prognostiziert. Dass die Fortuna sich weiterhin auf politische Neutralität beruft spielt den rechten Strukturen in Düsseldorf und bei Fortuna weiter in die Hände. Daran wird die begrüßenswerte Ticketvergabe an Geflüchtete nichts ändern. Der Schalter muss umgelegt werden, nachhaltige Antidiskriminierungsarbeit geleistet und klare Positionen zu rechten Hooligans entwickelt werden. Im Gegensatz zu den FARE-Wochen findet Diskriminierung täglich statt. Für die Verantwortlichen und die Mitglieder der Fortuna sollte das letzte Warnsignal sein, dass ein rechter Hooligan auf der Jahresmitgliederversammlung, Joachim Dancker, mit 361 Stimmen nur knapp an einem sicheren Platz im Wahlausschuss gescheitert ist. Er steht als erster bereit um bei einem Ausfall im Wahlausschuss nach zu rücken. Dass dieser erst vor rund 1 ½ Jahren öffentlich in der Boulevard-Presse Drohungen gegen antirassistische Fortuna-Fans äußerte und als Bushwhackers-Mitglied Einfluss auf die Stellungnahme der Fortuna nach den Vorfällen in Frankfurt nahm, zeigt das er alles andere als einverstanden ist mit antirassistischem Engagement. Die Fortuna befindet sich auf den Spuren von Borussia Dortmund, die das Problem leider viel zu spät, aber immerhin erkannt haben und nun entschiedener gegen Neonazis vorgehen.

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