Rund 1.500 Menschen versammelten sich am Sonntag, 30. Oktober 2016 in Wiesbaden bei der „Demo für Alle“. Anlass war der neue Lehrplan in Hessen, beschlossen durch das Kultusministerium der schwarz-grünen Landesregierung. Für diesen Lehrplan und gegen die „Demo für Alle“ fanden sich über 100 Organisationen zusammen. Sie brachten es fast auf 3.000 Teilnehmer_innen und blockierten einen großen Teil der Route der „Demo für Alle“.

Rechter Schulterschluss gegen „Gender Terror“

Im Vorfeld der „Demo für Alle“ hatte die extreme Rechte ihre Teilnahme angekündigt, darunter die neonazistischen Parteien „NPD“ und „Der III. Weg“. Zunächst distanzierten sich die Veranstalter_innen um Hedwig von Beverfoerde von den Neonazis. Grundsätzlich heißt es dort:

Eins von vielen Plakaten, dass Demonstrant_innen der "Demo für Alle" zeigten. Symbolisch steht dieses für den inhaltlichen Schulterschluss von rechten Kräften.
Eins von vielen Plakaten, dass Demonstrant_innen der „Demo für Alle“ zeigten. Symbolisch steht dieses für den inhaltlichen Schulterschluss von rechten Kräften.

„Wir distanzieren uns ausdrücklich von jedem antisemitischen, rassistischen und extremistischen Gedankengut und Organisationen oder Einzelpersonen, die solches Gedankengut vertreten. Eine Zusammenarbeit mit solchen Gruppierungen war und ist für die Veranstalter der Demo für Alle ausgeschlossen.“

Die Realität ist eine andere, so wurde beispielsweise der Anmelder einer NPD-Versammlung in Wetzlar als Ordner eingesetzt. Zwischenzeitliche Hinweise darauf gab es. Gegenüber der „Frankfurter Rundschau“ sagte Hedwig von Beverfoerde, dass sich Thassilo Hantusch, besagter Anmelder, „unbemerkt eingeschlichen“ habe. Einen Ausschluss dieser Teilnehmer_innen gab es nicht. Später liefen die Neonazis gar mit eigenem Transparent mit, auch dagegen ging die Veranstaltungsleitung nicht vor. Eine Distanz war hier nicht zu erkennen.

Die neonazistische Partei "NPD" mit eigenem Transparent in der "Demo für Alle".
Die neonazistische Partei „NPD“ mit eigenem Transparent in der „Demo für Alle“.

Insgesamt kam es bei der Versammlung zu einem rechten Schulterschluss. „Gender Terror raus aus den Köpfen“, alle Versammelten würden diese Aussage wohl so unterschreiben. Berührungsängste zu Neonazis waren, in der Dicht laufenden Demonstration, nicht zu spüren. Viel mehr jedoch der vereinte Hass gegen „staatlich obligatorische Sexualisierung“ und eine „Sexualpädagogik der Vielfalt“.

300 Feminist_innen blockieren die Route

Als der Aufzug des Bündnisses „Ihr seid nicht Alle!“ um etwa 12.00 Uhr los ging, schallte es aus dem Lautsprecherwagen: „Es geht nicht um Toleranz, es geht darum dass wir alle frei und glücklich leben können, so wie wir sind. Die „Demo für Alle“ ist eigentlich eine Demo gegen unsere Lebensentwürfe und Realitäten.“ Rund 3.000 Menschen sind zu diesem Zeitpunkt auf der Straße, darunter auch das linksradikal-queere Bündnis „Läuft nicht!“. Unter dem Motto „Let’s make some beautiful trouble!“ haben sie aufgerufen die „Demo für Alle“ mit Blockaden zu verhindern.

Die Blockade von rund 300 Feminist_innen hielt stand.
Die Blockade von rund 300 Feminist_innen hielt stand.

Rund 300 von ihnen gelang dieses Vorhaben teilweise. Über mehrere Stunden blockierten sie die Luisenstraße. Diese war in die Route der „Demo für Alle“ eingeplant. Mehrere Aufforderungen der Wiesbadener Polizei brachten nichts. Im Gegenteil: Die Demonstrant_innen setzten sich in Folge dessen auf die Straße, was eine Räumung noch deutlicher in die Länge gezogen hätte. Mit Parolen wie „Was kotzt uns so richtig an? Die Einteilung in Frau und Mann!“ und trommelnden, bunt angezogenen Feminist_innen hielt sich die Blockade bis die „Demo für Alle“, in sicherem Abstand, einmal um dem Block zog.

Auch am Rand und in der "Demo für Alle" kam es zu Protesten wie hier beim verkürzten Aufzug.
Auch am Rand und in der „Demo für Alle“ kam es zu Protesten wie hier beim verkürzten Aufzug.

Alek Anderson, Sprecher_in von „Läuft nicht!“, sah darin einen Erfolg, auch wenn die „Demo für Alle“ nicht gänzlich verhindert werden konnte. Zu dem beklagte das Bündnis Festnahmen von 10 – 15 Personen bei der Abreise, die „über einer Stunde in Handschellen und in der Kälte“ vor dem Hauptbahnhof ausharren mussten.

Weitere Fotos gibt es bei flickr:
Robin Dullinge
Protestfotografie Frankfurt

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