Nach dem Aufmarsch der so genannten „Wahrheitsbewegung“ am 20. Juni dieses Jahres in Düsseldorf, planen die Verschwörungstheoretiker_innen am 1. August eine erneute öffentliche Veranstaltung. Das „Give Back Sommerfest“ soll Spenden für einen guten Zweck sammeln und kündigt gleichzeitig den Auftritt einiger dubioser Redner an.

Das Sommerfest soll den ganzen Tag lang von 11 bis 22 Uhr dauern und dient laut den Veranstalter_innen der kostenlosen Verteilung von Kleidung und Essen an Wohnungslose sowie dem Protest für „Frieden, Freiheit, Gerechtigkeit, Fremdenfreundlichkeit, mehr Humanität, eine Politik im Interesse der Bürger„. Wie bereits am 20. Juni distanzieren sich die Organisator_innen „deutlich von jeglicher Form des Rassismus, Antisemitismus und von rechtsradikalem Gedankengut„. Und wie bereits am 20. Juli steht dies im Widerspruch zu den Positionen derer, die bei der Veranstaltung ans Mikro treten dürfen. Insbesondere die Distanzierung vom Antisemitismus kann den Aktivist_innen vom „Give Back Sommerfest“ nicht abgenommen werden. Eine kleine Auswahl derjenigen, die auftreten werden:

    •  Tommy Hansen ist Herausgeber des Magazins „Free 21“, das der verschwörungstheoretischen Szene zuzurechnen ist. In dem Magazin kommen bekannte linke Publizisten wie Noam Chomsky zu Wort. Es enthält allerdings auch rassistische und antisemitische Beiträge. Das Attentat auf das Satire Magazin Charlie Hebdo, nachdem die Täter einen jüdischen Supermarkt angriffen, soll laut „Free 21“ von westlichen und israelischen Geheimdienste fingiert worden sein: „Die Terroranschläge, wenn es solche sind, sind sehr praktisch für Washington und Israel … Frankreich hat soeben mit Palästina, gegen die Position der USA/Israel gestimmt. Der französische Präsident Hollande hat kürzlich erklärt, dass die Sanktionen gegen Russland ein Ende haben müssen“. US-amerikanische Geheimdienste würden „‚False Flag-Operationen‘ in Europa planten, um Hass gegen die Muslime zu erzeugen und europäische Länder unter den Einfluss von Washington zu bringen“. Die antimuslimisch-rassistischen Anschläge vom Oslo und Utoya im Jahr 2011 sollen laut Hansens Magazin ebenfalls in Wahrheit von Geheimdiensten inszeniert worden sein. Offen antisemitisch wird das Truther-Heft, indem es die uralte Theorie von der heimlichen Weltherrschaft der jüdischen Rothschild-Familie wieder aufwärmt: „In seinem Buch The Secrets of the Federal Reserve zeigt er [Eustace Mullins] Tabellen über die Verbindungen der Fed und ihrer Mitgliedsbanken zu den Familien Rothschild, Warburg, Rockefeller und den anderen auf. Die Kontrolle, die diese Banken-Familien über die globale Wirtschaft ausüben, kann nicht übetrieben sein und wird absichtlich geheim gehalten“.
    • Mit Reiner Braun ist auch ein langjähriger Aktivist der traditionellen Friedensbewegung beim „Give Back Sommerfest“ vertreten. Braun hatte bereits im vergangenen Jahr immer wieder seine Solidarität mit den verschwörungstheoretischen „Friedensmahnwachen“ bekundet. Für den „Frieden“ ist Braun gerne bereit bisherige politische Grenzziehungen fallen zu lassen: „Gibt es einen rechten oder einen linken Frieden? Ist Frieden rechts oder links? Nein.“ Er betont in diesem Kontext, „dass es immer auch Konservative, Wertkonservative waren, die sich in der Friedensbewegung und für den Frieden engagiert haben. Sie waren mit unsere besten Mitstreiter.“
    • Pedram Shahyar kommt ebenfalls ursprünglich aus dem linken politischen Spektrum. Er hat sich im vergangenen Jahr den „Friedensmahnwachen“ angeschlossen und arbeitet mittlerweile eng mit dem Verschwörungstheoretiker und Antisemiten Ken Jebsen zusammen.
    • Der Rapper Kaveh bewegte sich bislang ebenfalls in linken Kontexten. Er veröffentlichte bereits einen Track zusammen mit dem trotzkistischen Rapper „Holger Burner“ und trat im April dieses Jahres im Autonomen Zentrum Mülheim auf. Wie Kavehs Texte beweisen, steht er den Inhalten der Truther-Bewegung keineswegs fern. In seinem Lied „Eskalation“ behauptet er, die USA hätten den Ausbruch des syrischen Bürgerkrieges fingiert, um eine Legitimation zu haben, Syrien militärisch anzugreifen. Grund dafür sollen die syrischen Gasreserven sein. Kaveh glaubt daran, dass die mehrheit der westlichen Bevölkerung von einer kleinen Minderheit manipuliert würde: „Mit Hilfe bürgerlicher Gesetzgebungen, politischer Handlanger und einflussreicher Mainstream-Medien schaffen es Superreiche sowie transnationale Konzerne die Bürger*innen dermaßen zu manipulieren, dass sowohl Staatsterrorismus, Neokolonialismus und die Bombardierung der „Dritten Welt“ als auch die Ausbeutung der Lohnarbeiter*innen, der Abbau des Rechtsstaates und Steuerhinterziehung als legitime Praktiken von den Menschen im Westen akzeptiert werden.“

Aus den Reihen der radikalen Linken ist bislang nichts zu der geplanten Veranstaltung am 1. August zu hören oder zu lesen. Den Aufmarsch am 20. Juni begrüßte man noch mit einer Blockade auf dem Hauptstück seiner Route. Dennoch konnte das Konzert der Querfront-Band „Die Bandbreite“ ungestört vor dem Landtag stattfinden. Diese konnte dort ihre Hetze gegen die arabischen Demokratiebewegungen, die „Antifanten“, die „Schulmedizin“ und die „Lügenpresse“ in aller Ruhe verbreiten. Düsseldorf könnte zu einem gern gewählten Aufmarschort für Verschwörungstheoretiker_innen, Querfrontler_innen und Antisemit_innen werden, wenn ihnen hier in Zukunft nicht deutlicherer Widerstand entgegengesetzt wird. Auch wenn aufgrund der oberflächlichen Distanzierung von rechtem Gedankengut einige Ahnungslose von diesen Veranstaltungen angezogen werden, ist dies kein Grund die reaktionären „Friedensdemos“ zu verharmlosen oder zu pädagogisieren. Nur gezielte Gegenaktivitäten und eine pointierte politische Kritik können das fröhliche Treiben der Querfront in Düsseldorf stoppen.

Nachtrag: Die Facebook-Seite Friedensdemo-Watch weist darauf hin, dass die salafistische „Hilfsorganisation“ Ansaar International ebenfalls am „Give Back Sommerfest“ teilnehmen wird. Ansaar International baut mit Spenden soziale Infrastruktur in Syrien auf. Diese Position nutzen sie aus, um gezielt Koran-Schulen aufzubauen, in denen Kinder fundamentalistisch indoktriniert werden. Ansaar wird von dem deutschen Salafisten und Initiator der „Lies“-Aktionen Ibrahim Abu Nagy unterstützt.

Das „Give Back Sommerfest“ kündigt stolz die Zusammenarbeit mit dem fundamentalistischen Verein Ansaar International an.

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