Am Mittwoch, 30. November 2016 lädt die salafistische Organisation „Ansaar International“ zu einer Pressekonferenz in das Maritim Hotel Düsseldorf ein. Aus einer E-Mail, die „Sechel“ vorliegt, geht hervor, dass es bei der Pressekonferenz um den Spieler Änis Ben-Hatira von Darmstadt 98, die Kampagne „Lies!“ und die kürzlich verbotene und dahinter stehende Organisation „Die wahre Religion“ gehen soll. Als Veranstalter steht jedoch ein weiterer bekannter Islamist und Antisemit im Raum.

„Ansaar International“, Martin Lejeune und Nachfolge der „Lies!“-Kampagne

Der Antisemit, Islamist und Erdogan-Unterstützer Martin Lejeune kündigt in einer E-Mail vom Freitag, 25. November 2016 die Pressekonferenz von „Ansaar International“ an. Lejeune machte zuletzt auf sich aufmerksam als er seine Freude über die Brände in Israel als „die Strafe Gottes für den Verbot des Gebetsrufes“ bezeichnete. Damit spielt er auf eine Debatte in Israel um den Muezzin-Ruf an, dort wird seit kurzem über ein umstrittenens Gesetz gesprochen, dass den Muezzin-Ruf einschränken soll. Weiter trat er auch bei der Kundgebung der UETD, „Union Europäisch-Türkischer Demokraten“ am 31. Juli 2016, rund zwei Wochen nach dem Putschversuch in der Türkei auf. Seine Botschaft dort war eindeutig, als er behauptete die Armenien-Resolution des Bundestages sei einzig gegen den Islam gerichtet. Die Kooperation mit „Ansaar International“ ist nur eine logische Konsequenz aus seinen letzten politischen Aktivitäten.

Martin Lejeune zeigt sich bei Twitter erfreut über die Brände in Israel. "Das ist die Strafe Gottes für den Verbot des Gebetsrufes" schreibt er.
Martin Lejeune zeigt sich bei Twitter erfreut über die Brände in Israel. „Das ist die Strafe Gottes für den Verbot des Gebetsrufes“ schreibt er.

„Ansaar International“ ist seit Jahren umstritten und wird der salafistischen Szene zugerechnet. Sie bauen Koran-Schulen auf und indoktrinieren dort Kinder mit religiös-fundamentalistischen Positionen. Die Organisation besitzt zu dem Kontakte in die extreme Rechte und unterstützte beispielsweise den Neonazi Curd Schumacher, in dem sie ihm finanzielle Unterstützung zu kommen ließen. Schumacher selbst betont in seinen Videos die Gemeinsamkeiten, so sprechen beide von „Invasoren“, wenn sie Geflüchtete meinen. Kontakte ergaben sich über einen Akteur der sogenannten „Friedensmahnwachen“, Jörg Cölsmann. Zu dem steht die selbsternannte Hilfsorganisation fortlaufend unter dem Verdacht terroristische Gruppen zu unterstützen. Bislang konnte ihr dies zwar nicht nach gewiesen werden, jedoch bestehen mindestens Verbindungen zu terroristischen Akteur_innen.

Prominente Unterstützung erfährt „Ansaar International“ vom Fußballer Änis Ben-Hatira, der derzeit für den SV Darmstadt 98 spielt. Dieser geriet zuletzt durch sein Engagement für die salafistische Organisation in die Schlagzeilen. Zuvor hatten die „Ruhr Nachrichten“ darüber berichtet, dass „Ansaar International“ eine Sondergenehmigung beantragt habe.

„Massenmediale Hetze“, fehlende Beweise und die Querfront

Der E-Mail angehängt ist zu dem ein Video von Martin Lejeune, welches kürzlich auf seiner Facebook-Seite veröffentlicht wurde. Dort spricht er im Düsseldorfer Hauptbahnhof mit dem Leiter von „Ansaar International“, Joel Kayser. Der beginnt im Interview mit dem antisemitischen Ressentiment der Brunnenvergiftung, als er behauptet das Wasser, das Israel in den Gaza-Streifen liefere sei „nach Untersuchungen nicht sauber, sondern eher sehr dreckig“. Auf die Frage wie er Behauptungen entkräften könne, die der Organisation Verbindungen zum islamistischen Terrorismus nach sagen, entgegnet Kayser, lediglich eine Aufzählung von Projekten, die von „Ansaar International“ unterstützt werden.

Screenshot des Video-Interviews von Martin Lejeune mit Joel Kayser. Im Bild zu sehen ist Joel Kaysar, verlinkt sind zu dem verschiedene Zweigstellen von "Ansaar International".
Screenshot des Video-Interviews von Martin Lejeune mit Joel Kayser. Im Bild zu sehen ist Joel Kaysar, verlinkt sind zu dem verschiedene Zweigstellen von „Ansaar International“.

Weiter wird im Interview ausgeführt, es handle sich um eine „Verleumdungskampagne“ gegen „Ansaar International“, die „bis zu einem finalen Plan“ reiche. Joel Kayser verweist in dem Video immer wieder auf die hohe Transparenz in seiner Organisation und auf die Nachweise gegenüber dem Finanzamt. Diese sind jedoch nicht öffentlich zugänglich und werden auch nicht von „Ansaar International“ veröffentlicht. Er weist im Interview mehrfach auf „400 Dokumentationen“ hin, die die Hilfsorganisation „in Szene setzen“. Auch soll es zahlreiche Unterlassungsklagen gegen diverse Medien geben. Lejeune führt später aus, dass er bereits schon einmal in einem Düsseldorfer Hotel eine Pressekonferenz abgehalten habe. Ob hier das Maritim Hotel gemeint ist, ließ er offen.

Die Querfront schließt sich, nach rund zehn Minuten im Interview, als Kayser von einem Gespräch mit dem Düsseldorfer Polizisten und Kontaktbeamten für interkulturelle Angelegenheiten Dirk Sauerborn „im Beisein des Friedensaktivisten Jörg Cölsmann“ spricht. In diesem Gespräch habe man sich „die Hand gegeben“ und intern ausgemacht, dass es keine Benefizveranstaltungen mehr von „Ansaar International“ geben solle, da diese „ein Dorn im Auge“ der Behörden seien. Jörg Cölsmann hatte auch den Kontakt des extrem rechten Videoblogger Curd Schumacher zu „Ansaar International“ hergestellt.

Nach dem Interview steht die Vermutung im Raum, dass Martin Lejeune die Räumlichkeiten im Düsseldorfer Maritim Hotel gebucht haben könnte. Die Pressesprecherin der Maritim Hotelgesellschaft war für eine Stellungnahme bislang nicht zu erreichen. Dementsprechend bleibt abzuwarten wie die Hotelkette reagieren wird.

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