Bilder von Emma Andersen und Ronny Gsawitz

Am 4. April 2016 nutzten gleich zwei rechte Aufmärsche die Leipziger Innenstadt als Bühne. Ex-LEgIdA-Chef Silvio Rösler demonstrierte mit seiner LEgIdA-Abspaltung „Offensive für Deutschland“ vom Westplatz bis zum LEgIdA-Startpunkt am Richard-Wagner-Platz. Von dort aus zogen die OfD-Teilnehmer*innen gemeinsam mit LEgIdA den Ring herunter. Während die Antifa-Bewegung für heute nach Leutzsch mobilisiert hatte, wurde der Gegenprotest vor allem von Lichterketten dominiert.

Die OfD-Demonstration unter dem Label „Wir lieben Sachsen/Thügida“ startete um 18 Uhr 15 am Westplatz. Bei der Auftaktkundgebung sprachen Silvio Rösler, Alexander Kurth (DIE RECHTE), Enrico Böhm (Mitglied des Stadtrats; kürzlich als NPD-Kreisvorsitzender durch den Landesvorstand abgesetzt) und Karl Richter (Bürgerinitiative Ausländerstop München/NPD) zu hören. Außerdem sprach Andrea Dimitrov von der Leipziger Friedensinitiative bei dem Aufmarsch mit dem Motto „Gemeinsam gegen imperialistische Kriegstreiberei“. Als Zuhörer mit von der Partie war Rolf Dietrich von DIE RECHTE aus Halle.  Die 50 Teilnehmer*innen, die allesamt dem Neonazi-Spektrum zugerechnet werden können, hörten wie Richter die „Abschaffung des Parteienregimes von links bis rechts“ forderte. „Die gesamte linke Brut, Lesben, Schwule, Grüne“, so Richter, „sie allesamt müssen niedergemacht werden“. Die ca. 500 Meter lange Aufmarschstrecke beinhaltete sogar eine Zwischenkundgebung auf der noch die ex-Bundesvorsitzende des NPD-Frauenverbands Ring Nationaler Frauen Sigrid Schüßler ihre Gedanken zur vermeintlichen Lüge vom deutschen Tätervolk öffentlich kundtun durfte. Die Demonstration endete kurz vor dem Richard-Wagner-Platz, wo noch einmal zwei Versammlungsteilnehmer von der Polizei herausgezogen wurden, vermutlich wegen des Verdachts auf Vermummung. Zuvor war bereits ein Teilnehmer wegen eines NS-verherrlichenden Tattoos kurzzeitig aus der Demonstration herausgenommen worden. Die Polizei trat an diesem Tag massiver und entschlossener auf als in der Vergangenheit. Zusätzlich zu den sächsischen Polizeikräften waren auch Beamt*innen aus Brandenburg und Niedersachsen im Einsatz. Versammlungsleiter Rösler beendete seine Demonstration, indem er die polizeilichen Auflagen von LEgIdA vorlas.

Parallel dazu hatte am Richard-Wagner-Platz LEgIdA seine Auftaktkundgebung durchgeführt. Nachdem im vergangenen Monat der Anführer Markus Johnke unter anderem wegen Differenzen mit der PEgIdA-Führung in Dresden als Moderator zurückgetreten war, wurde die Kundgebung nun von Nicos Chawales aus Dresden eröffnet. Der PEgIdA-Aktivist war bereits im vergangenen Jahr durch die Beteiligung an rassistischen Kampagnen in Dippoldiswalde und durch eine Landratskandidatur in der Sächsischen Schweiz aufgefallen war, hielt zu Beginn eine halbstündige Rede. Die von Rösler als „Volksfront“ gefeierte Vereinigung der 500 LEgIdA-Teilnehmer*innen mit den 50 OfD-Nazis schien Chawales so unangenehm zu sein, dass er davon sprach, dass sich später „noch eine andere Gruppe“ anschließen werde. Von OfD, Thügida und DIE RECHTE kein Wort. Bemerkenswert war, dass an diesem Montag auch ohne die OfD-Teilnehmer*innen mehr offene Neonazis unter den LEgIdA-Gänger*innen waren. Unter anderem ein Mensch mit einem 88-T-Shirt. In welche Richtung LEgIdA sich diesem Jahr noch entwickelt, ist vollkommen offen. Sowohl was den politischen Erfolg als auch was den Grad des offenen Rechtsradikalismus betrifft.

1 KOMMENTAR

  1. Ich weiß dieser Artikel beschäftig sich lediglich mit den Nazi-Veranstaltungen.
    Dennoch die reißerische Überschrift:
    „…wurde der Gegenprotest vor allem von Lichterketten dominiert.““
    Das ist bei 9 Veranstaltungen von denen eine Lichterkette war, doch etwas lapidar gesagt.
    Sicherlich schiebt ihr die Tage da auch noch eine inhaltlich aufarbeitung der Gegendemos nach! ?

    Nebenbei auch spannend:
    Die Polizei sprach während des Aufmarsch durchgängig per du über Lautsprecherwagen mit den Nazis und übernahm damit wichtige Aufgaben und Funktionen die eigentlich die/der Versammlungsleiter_in hätte besorgen müssen.
    Für Außenstehende entstand der eindruck jemand von Legida säße im Polizeiwagen und würde zu den eigen Leute sprechen.

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