Die ungefähr 400 nach Halle angereisten Nazis konnten nicht marschieren. Nachdem sie zwei Stunden vor dem Hallenser Hauptbahnhof gestanden hatten, traten sie die Abreise an. Eine vierstellige Zahl an Gegendemonstrant_innen hatte den Aufmarsch mit Blockaden verhindert.

von Ronny Gsawitz und Emma Andersen

Aufgerufen zu dem Aufmarsch hatten die Antikapitalistischen Kollektive und die Partei DIE RECHTE. Gekommen waren vor allem deren Anhänger_innen, meist in schwarz gekleidet, teils vermummt. An dem rechten Demonstrationsversuch nahm auch eine Abordnung der Aryans, einer rechtsradikalen Bruderschaft teil, die auf der Rückseite ihrer Pullover die Aufschrift „Support your Race“ stehen hatten. Auch der Vordenker der Autonomen Nationalisten und Gründer der Partei DIE RECHTE Christian Worch war nach Halle gereist.

Bereits die Anreise der Nazis verzögerte sich, da diese polizeilichen Vorkontrollen unterzogen wurden. Die Organisatoren der Demonstration schienen unschlüssig, wie sie auf die Situation reagieren sollten. Gegen 12 Uhr 30, eine halbe Stunde nach offiziellem Beginn der Versammlung bauten sie ihren Lautsprecherwagen ab und wollten offensichtlich vom Versammlungsort wegfahren, was die Polizei jedoch nicht zuließ. Daraufhin bauten sie die Soundanlagen auf ihren Transporter wieder auf. Kurz danach erfolgte eine Lautsprecherdurchsage der Polizei in der diese den Nazis mitteilte, dass alle eventuellen Ersatzveranstaltungen zu ihrer Demonstration im Land Sachsen-Anhalt untersagt seien und sie als gesamte Gruppe nicht geschlossen abreisen könnten.

Im Vorfeld hatten die Antikapitalistischen Kollektive davon gesprochen, ihre Demonstration notfalls auch mit unfriedlichen Mitteln durchsetzen zu wollen. Davon war am 1. Mai 2017 nichts zu sehen. Die 400 Nazis schienen eher frustriert als entschlossen. So setzte gegen 14 Uhr eine Abreisebewegung ein. Die Polizei ließ die Nazis in mittelgroßen Gruppen Züge besteigen.

So verteilten sich die Teilnehmer_innen der gescheiterten Demonstration in verschiedene Städte in der Region. Einige griffen in der Hallenser Innenstadt Linke an, weitere führten in Köthen (Sachsen-Anhalt) und Apolda (Thüringen) Spontandemos durch. Ungefähr 50 Nazis reisten mit dem Zug nach Merseburg, wo jedoch keine Spontandemonstration zu Stande kam. Einige Nazis schienen zu ihren Autos zu gehen, andere lungerten noch über eine Stunde vor dem Merseburger Hauptbahnhof herum. Darunter auch Raik Wilhelm von der Brigade Halle.

Selten gelingt es linken Gegendemonstrant_innen tatsächlich einen Nazi-Aufmarsch mit Blockaden zu verhindern. Am 1. Mai 2017 in Halle ist dies gelungen. Allerdings bot der Gegenprotest Parteien wie SPD, Grünen und Linkspartei eine Bühne um sich als Vorkämpfer_innen gegen Rechts zu inszenieren und sich im Vorfeld der Bundestagswahl in einem guten Licht zu präsentieren. Dies ist wenig überraschend, enthielt sich doch das Antifa-Bündnis „Nice yo beat you“ jeglicher politischer Aussage außer, dass man gegen den Nazi-Aufmarsch sei. Der einzige nachvollziehbare inhaltliche Unterschied zwischen Antifas und staatstragendem Gegenprotest lag in der Militanzfrage. Insofern war der Tag für die Nazis ein Desaster, für die radikale Linke deshalb aber noch lange kein Erfolg.

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT